Ins Mark

Qualität unter Druck

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Zunächst wurde im Herbst Korso, ein Urgestein des alternativen Grazer Journalismus, eingestellt. Dann gab es die stolze 100-Prozent-Kürzung der noch von Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP) eingeführten Landesförderung für den steirischen Falter durch Kulturlandesrat Christian Buchmann (ÖVP). Und seit vergangener Woche ist nunmehr das steirische Nachrichtenmagazin Frontal, das sich zuletzt durch polemischen Politjournalismus ausgezeichnet hatte, im Konkurs.

Der Hintergrund: Eine Fülle an Gratiszeitungen saugt mit Riesenauflagen den beschränkten steirischen Werbemarkt leer, nicht wenige Inserenten bekommen neben den Inseraten auch einen "redaktionellen Text“, der die Werbekunden nicht selten abfeiert.

Das ist nicht neu. Verschärfend kommt nun hinzu, dass Kleine Zeitung und Kronen Zeitung bei einigen Themen zunehmend den Eindruck einer inhaltlichen Annäherung vermitteln. Man denke nur an die SPÖ-ÖVP-"Reformpartnerschaft“, die in einem erstaunlichen Gleichklang bewertet wird.

Für demokratische Prozesse vor Ort wird diese Reduktion der Meinungsvielfalt langsam problematisch. Und der Verlust von Qualitätsmedien ist eine Gefahr für den Standort: wenn etwa die Arbeit der Kulturschaffenden kaum mehr ernsthaft abgehandelt wird. Will die Steiermark als wahrnehmbare Entität aber bestehen bleiben, sollte sie sich dringend Modelle überlegen, wie auch kritische Medien subventioniert werden können. Alles dem viel zu kleinen Markt zu überlassen, hieße noch mehr Gratismedien und noch weniger Journalismus.


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