Fragen Sie Frau Andrea

Yippie-aye-oh, Ghost-Cowboy on the Ring

Kolumnen | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Liebe Frau Andrea,

unlängst sah ich auf der Ringstraße auf dem Radweg (!) eine Art Cowboy. Der Mann war hoch zu Ross unterwegs, und das Pferd schien nicht nur sein bester Freund, sondern auch sein Fortbewegungsmittel zu sein. Seither geht mir die Frage nicht mehr aus dem Kopf: Darf der das? Sind Ponymädchen und Kuhjungen Verkehrsteilnehmer wie Pkw-Lenkerinnen und Radler? Gibt es bestimmte Furschriftn? Und war es womöglich in Wien einmal gang und gäbe, kutschenlos mit einer Pferdestärke durch die Stadt zu galoppieren?

Sven Möcke (dzt. Hamburg),

per Bernsteinfunkennachricht

Lieber Sven,

auch wenn es seltsam anmutet und auch nicht oft vorkommt, Reiten ist auf Österreichs Straßen nicht verboten. Das urbane Fortkommen hoch zu Ross, zu Esel oder Vogelstrauß ist in § 79 der Straßenverkehrsordnung geregelt. Der Gesetzestext verlangt, dass Reiter körperlich geeignet und des Reitens kundig sein sowie das 16. Lebensjahr vollendet haben müssen. Jüngere Personen dürfen nur in Begleitung Erwachsener reiten. Reiter dürfen nur die Fahrbahn und auf Straßen mit Reitwegen nur die Reitwege benützen. Bei der Benützung der Fahrbahn gelten für sie sinngemäß die allgemeinen Fahrregeln. Reitende haben Arm- oder Lichtzeichen zu beachten. Bei Dämmerung, Dunkelheit, starkem Nebel, oder wenn es die Witterung sonst erfordert, müssen Reiter bei Benützung der Fahrbahn, wenn die sonstige Beleuchtung nicht ausreicht, durch hellleuchtende Laternen an der linken Seite gekennzeichnet sein.

Laut Auskunft des Österreichischen Pferdesportverbands ist das Reiten auf Fahrradwegen, Gehwegen und Grünflächen ausnahmslos verboten. Ihr Geisterreiter auf dem Ring war also illegal unterwegs. Ästhetisch hat der Rinderhirte allerdings durchaus richtig gehandelt, bewegte er sich doch auf jener Verkehrsfläche, die ursprünglich als Reitweg angelegt wurde - für Offiziere und andere Herrenreiter. Der Ritt auf dem Würschtl war noch in den 20er-Jahren keine Seltenheit. Von jedem personenbeförderndem Pferd, ob Kutschenzieher oder Sattelunterlage, wurden jährlich 250 Vorkriegsschilling eingehoben. Dass der Galopp angesichts harten Pflasters zur bevorzugten Gangart zählte, wage ich zu bezweifeln.


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