Menschen

Fieber messen!

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Gott war in der Stadt. Zumindest konnte man vergangene Woche im Konzerthaus den Eindruck gewinnen, dass Steven Patrick Morrissey für viele so etwas wie Gott ist. Gut gealtert und unerwartet milde (okay, die Achse des Bösen von Gaddafi bis Sarah Palin bekam ihr Fett ab) spielte Morrissey alte Hits und Nummern neueren Datums. Manche behaupten, das klang zu sehr nach Dienst nach Vorschrift. Ob alle fünf Mitglieder der Falter-Redaktion, die bei diesem Smiths-Klassentreffen dabei waren, bei allen Songs mitgesungen haben? Keine Ahnung. Die Frage, wieso man so ein Konzert in einem bestuhlten Saal stattfinden lässt, wenn sowieso alle beim ersten Ton von ihren Sitzplätzen aufspringen, ließ sich ebenso wenig klären. Aber, hey!, wenn Gott auftritt, kann man doch nicht einfach sitzen bleiben.

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Auch nicht sitzen bleiben kann man, wenn wieder einmal ein "Jungbauernkalender“ fotografiert wird, traditionell der It-Termin im Sommerloch. Elisabeth Köstinger, Obfrau der Österreichischen Jungbauernschaft, lud in die Wiener Weinberge zum "Shooting“. Aber seitdem in Deutschland der "Metzgerkalender“ erschienen ist, sind Projekte wie diese irgendwie reizlos geworden. Auch wenn man nicht müde wurde zu betonen, dass alle "Models“, die Fotograf Andreas Hofer da in mehr oder weniger sexy Posen ablichtete, echte Bäuerinnen und Bauern sind. Aber die sehen wir am Bauernmarkt jeden Samstag. Fad.

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Was letzte Woche nicht mehr in den Zoo gepasst hat: die Präsentation des neuen Albums von Das Fieber, der womöglich besten Band der Stadt. Dafür hatten sich Bernhard Kern, Helga und Philipp Ruthner, Albert Mayr, Christian Tanzer und Cordula Thym, unterstützt vom Elektrodrescher Philipp Quehenberger, ausgerechnet die Untergeschoßdiskothek einer Schwulenbar ausgesucht - die so voll war, dass man die schönen Aufdrucke auf den Baumwollbeuteln, die all die schönen Menschen geschultert hatten, gar nicht mehr lesen konnte. Kunstmusik. Modemusik. Musikmusik, gut. Das Album heißt übrigens auch "Das Fieber“. Mit bösem Smiley!

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Und dann erreichte uns noch eine Nachricht aus der großen Welt des Films. Nein, nicht Hollywood, nur Babelsberg. Oder so. Jedenfalls soll das Leben von Ex-Rennfahrer Niki Lauda verfilmt werden, Schreck lass nach. Genau genommen geht es um den Wettstreit zwischen Lauda und James Hunt im Jahr 1976. Als wir hörten, dass Niki Nationale nicht von ihm selbst gespielt wird, sondern von Daniel Brühl, waren wir beruhigt. Und dass der momentan in Wien lebende Brite Peter Morgan ("The Queen“) das Drehbuch geschrieben hat, macht uns zuversichtlich. Aber vor der Premiere haben wir trotzdem Angst. Und eine Ausrede: Fieber.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at

Achtung! Schach/Rätsel finden Sie ab sofort in der Falter:Woche auf Seite 46


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