Tiere

C.S.I. Vienna

Falters Zoo | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

"My bugs are my babies, my children“

Gil Grissom, C.S.I.

Das grelle Fiepen des Mobiltelefons schneidet in die unterkühlte Stimmung des verregneten Sommernachmittags wie eine Knochensäge durch das Brustbein. "Helfen Sie mir“, stöhnt es aus dem Lautsprecher. "Ich glaube, da wurde hinter meinem Bilderrahmen jemand eingemauert, aber es fehlt vom Opfer jede Spur!“, hechelt ein Mann, dessen Stimmbänder wie Nerven gleichermaßen am Zerreißen zu sein scheinen. "Es gibt immer eine Spur“, antwortet der diensthabende Detective der Wiener Tatortgruppe "Charmant Singen Insekten“ völlig ungerührt und nimmt seine Sonnenbrille ab. "Beim Putzen bin ich hinter einem Bild auf diese grauen, länglichen und gemauerten Tonnen gestoßen, einige sind dabei abgebrochen und auf dem Boden zersprungen“, atmet der Anrufer schwer und setzt mit gedämpfter Stimme fort: "Alle waren leer. Aber ist der Täter noch im Haus?“

"Hart arbeiten, jung sterben und als adrette Leiche enden“, so läuft das im Leben, antwortet der Kriminalist, der Darwins Theorie vom "survival of the fittest“ täglich vor Augen geführt bekommt. "Aber Sie müssen sich im Moment keine Sorgen machen, unser Killer ist bereits ausgeflogen. Killerin, genau gesagt“, verbessert sich der Ermittler. Wir kennen diese gelbbraun maskierte Lady bereits seit 1979. Damals kam sie aus Zentralasien nach Österreich und hat sich seitdem in ganz Süd- und Mitteleuropa ausgebreitet. Man kann ihr eine gewisse Kunstfertigkeit beim Bau ihrer Lehmgrüfte nicht absprechen“, fährt der Detective fort. Er nimmt einen tiefen Zug aus seiner E-Zigarette und bläst einen feinen Strom aus Dampftröpfchen an die Decke seines Büros. "15 bis 20 solcher Behälter baut sie und befüllt sie mit noch lebenden, aber durch Gift gelähmte Spinnen. Dann legt sie jeweils ein Ei in die Tonne und verschließt diese. Ihr Nachwuchs ernährt sich dann davon. Doch Regen kann sie gar nicht ab“, bellt der Ermittler plötzlich mit bundesdeutschem Einschlag, "deswegen finden sich ihre Bauten immer in oder an Häusern.“ "Aber, wie heißt dieses Tier denn jetzt?“, fragt der Anrufer ungeduldig. "Wir kennen sie als die Orientalische Mauerwespe, andere nennen sie Sceliphron curvatum“, antwortet die sonore Stimme des C.S.I.-Vienna-Spezialisten, während er sich die Sonnenbrille wieder aufsetzt und den Fall zu den Akten legt.

Zeichnung: pueribauer.com


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