Vernissage

Fiktive Geschichten, die die Kamera erzählt

Lexikon | aus FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Um die fotografische Ausbildung sah es in Österreichs Hochschulen seit dem zweiten Weltkrieg eher traurig aus, in praktischer ebenso wie theoretischer Hinsicht. Die mit ihren Selbstporträtserien bekannt gewordene Fotokünstlerin Friedl Kubelka nahm diesen Missstand nicht einfach hin, sondern startete ihren eigenen Lehrgang.

Im Jahr 1977 leitete sie die erste "Klasse für künstlerische Photographie“ und gründete 1990 ihre eigene Fotoschule in Wien. Viel erfolgreicher heimischer Fotonachwuchs ist seither aus Kubelkas Uni-Alternative hervorgegangen. Nun stellt die Schau "sight stories“ in der Fotogalerie Wien die Arbeiten des jüngsten Absolventenjahrgangs vor.

Die 14 präsentierten Positionen aus der von Anja Manfredi geleiteten Klasse kreisen um das erweiterte Genre Porträt. So fotografiert etwa Elke Liberda Körperdetails von Diaprojektionen ab, die unter anderem an Filmstills erinnern. Ornamentale Strukturen kennzeichnen die Fotoserie "horror vacui & amor infinity“ von Martina Stapf, die sich als mal dekoratives, mal erdrückendes Netz über anonyme Figuren legen. Astrid Wagner greift hingegen auf eine literarische Vorlage zurück, einen Brief von Ingeborg Bachmann an ihren Dichterfreund Paul Celan, und versucht, das Schreiben sichtbar zu machen.

Mittels Überblendungen und Schichtungen sollen die mentalen Prozesse ein visuelles Pendant erhalten.

In der Fotoserie "Der Hut meiner Großmutter“ erzählt Hans Weiss eine Familiengeschichte aus einem abgelegenen Vorarlberger Bauerndorf, wobei der Hut zum Begleiter von Fantasiereisen in die Fremde wird. Entgegen einem solchen narrativen Zugang experimentiert Daniel Heuchert mit abstrakten Farbflächen, die er in seiner Laborwanne einfängt. NS

Fotogalerie Wien, Mo 19.00; bis 21.8.


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