Noch im Kino

"Deux de la Vague“, eine familiäre Filmgeschichte

Lexikon | aus FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Natürlich ist die Geschichte der Nouvelle Vague schon oft erzählt worden, aber das ist noch kein Argument gegen diesen Film: "Deux de la Vague“ (wörtlich: zwei von der Welle), im Deutschen mit dem versachlichenden Nebentitel "Godard trifft Truffaut“ versehen, besteht fast ausschließlich aus Filmausschnitten und Archivmaterial. Emmanuel Laurent (Regie) und Antoine de Baecque (Buch) tauchen noch einmal tief in eine sehr fruchtbare Zeit des französischen Kinos ein.

Ausgehend von "Sie küssten und sie schlugen ihn“ (1959) und "Außer Atem“ (1960), den ersten Überraschungserfolgen der Nouvelle Vague, blickt der Film zurück auf die Biografien und bisherigen Karrieren von François Truffaut (Jg. 1932) und Jean-Luc Godard (Jg. 1930), die sich bei den Cahiers du Cinéma als kommende Generation von Filmemachern in Stellung brachten: Überzeugt davon, dass die beste Kritik an einem Film wiederum ein Film sei, setzten sie die "politique des auteurs“ später quasi in Realpolitik um.

Herrlich die historischen Interviewaufnahmen! Sie zeigen Godard, den rebellischen Bürgersohn, vermeintlich cool posierend mit Sonnenbrille, und Truffaut, einen Sproß der unteren Mittelschicht, als dezent aufmüpfigen Musterschüler, stets etwas steif und nervös. "Deux de la Vague“ ist, mehr noch als eine Liebeserklärung an die Nouvelle Vague, eine Liebeserklärung an das Archiv. Was dort nicht abgelegt ist, dafür findet der Film auch keine Bilder. Deshalb blättert Isild le Besco, eine der interessanteren französischen Filmerinnen von heute, quasi für uns in alten Zeitschriften. Und deshalb textet Baecque den Film von Anfang bis Ende zu. Was immer man von Truffaut und Godard, die in Folge des Mai ’68 erbitterte Kontrahenten wurden, halten mag: Beide hätten sich einen besseren Film verdient. MO

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