Expressionistische Wucht der Worte in Oberzeirung

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Das THEO zeigt Büchners "Woyzeck“ als Antisommertheater

Die späten Entdecker des "Woyzeck“ waren von der expressionistischen Wucht der Worte und von der spröden Formlosigkeit dieses hingerotzten Fragments begeistert. Unerhört war der Text, als Büchner 1837 starb, inzwischen ist er Gymnasiastenpflichtlektüre, "ein vielmal vom Theater geschundener Text“ (Heiner Müller). Aber er ist nicht umzubringen. Das in Erinnerung zu rufen, ist eines der Verdienste dieser Produktion in Peter Fasshubers reduzierter Regie. Fasshuber setzt das Stück als traditionelles Antisommertheater gemeinsam mit dem gefragten Theatermusiker Tobias Escher in eine enge, leere Blackbox.

Auch das Spiel von Hans T. Tafner (Woyzeck), Melanie Katja Schneider (Marie), Helga Steiner (Nachbarin, Doktor) und Dirk Küpper (Hauptmann, Tambourmajor) ist schlicht und konzentriert. Im Verein mit Eschers Akkordeon kann sich so der bedrückend starke Text viel Raum schaffen. Nicht nur Woyzeck ist hier ein Getriebener, alle stehen an der auf der Bühne um mehrere Meter vorgerückten Wand. Die fatale Abwärtsspirale wird als eine Dynamik präsentiert, der sich niemand entziehen kann, weil jeder an ihr Anteil hat. Die Regie hält uns einen Spiegel vor. Vielleicht plakativ. Aber gelungen.

THEO, Oberzeiring, Do (4.8.) 20.00, Sa, Di 20.00


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