Vor 20 Jahren im Falter  

Falter & Meinung | aus FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Wie wir wurden, was wir waren

Aufstehen!

Weil wir hier so gern historisch sind, ich meine, echt historisch, ergreifen wir gern die Gelegenheit zu einem Rückblick im Rückblick. Vor 20 Jahren im Falter gab es nämlich, ich erwähnte es bereits, die Kolumne "Vor zehn Jahren im Falter“. Darin geschrieben stand: "Kulturstadtrat Helmut Zilk wollte die Straßenmusik legalisieren, Bezirksvorsteher Heinz war dagegen.“ Wir standen naturgemäß auf der falschen Seite, auf jener Zilks. Erst heute kann man das Ausmaß unseres Irrtums ermessen. Vor 30 Jahren aber hieß es: "Durch eine Änderung des Veranstaltungsgesetzes ist Straßenmusik (erstmals) nicht mehr gesetzeswidrig. Dafür gibt es zeitliche Beschränkungen.

Wien, Innenstadt, Kärntner Straße, an einem gewöhnlichen Werktag im Juli, kurz nach 20 Uhr. Zwei Straßenmusikanten packen ihre Gitarren in ihren Koffer und zählen das Eingenommene. In gemessenen Abständen tun ihre Kollegen in der Kärntner Straße und auf dem Graben das Gleiche. Unauffällig schlendern zwei Polizisten vorbei …

Das Klima in der Innenstadt ist im Moment, so will es scheinen, oberflächlich entspannt; das Verhalten der Polizei mag inspiriert sein von Heinzens Ideal der City als einer Stätte der Begegnung. Nämlich der zwischen Käufer und Verkäufer und keiner anderen; der Tourist, welcher sich hier nur indirekt einordnen lässt, weil er oft mehr schaut als kauft und nur beim Übernachten und beim Essen ausgenommen werden kann, wird schon etwas scheel angesehen, vor allem, wenn er jung ist und sich niedersetzen will. Zur Illustration: Zwei Mädchen setzen sich auf den Boden, um den Stephansplatz anzusehen - Bänke gibt es dort kaum -, verhalten sich ruhig, belästigen niemanden, ein etwa in Italien vollkommen normaler Vorgang. Nicht hier.

Schon pflügt aus einer Seitengasse ein Funkstreifenwagen durch die Menge, von der anderen Seite nähern sich zwei Polizisten mit Walkie-Talkie, um die beiden Mädchen in rüdestem Ton aufzufordern, aufzustehen und weiterzugehen …“ AT


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