Seinesgleichen geschieht  

Anders Behring Breivik und die Schwäche demokratischer Politik

Der Kommentar des Chefredakteurs


Armin Thurnher
Falter & Meinung | aus FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Die Attentate von Oslo und Utøya sind noch lange nicht zu Ende interpretiert. Fest steht einstweilen, dass sie auf einer weltweiten Welle rechter Agitation stattfanden. Ob es sich um deren Kulminationspunkt handelt, bleibt offen. Dass sich die norwegische Rechte nun zu einer gewissen Mäßigung veranlasst fühlt, ist erfreulich, bedeutet aber wenig.

Könnte die Wahnsinnstat des Anders Breivik auf ihre Weise für die europäische Rechte bedeuten, was die Anschläge der RAF und der Brigate Rosse in den 70er-Jahren für die studentische Linke bedeutet haben? In der Annahme, einen revolutionären Moment zu nutzen, diskreditierten diese eine Bewegung und raubten ihr den Impetus. Könnte Breiviks Tat also den unaufhaltsamen Aufstieg der Euro-Rechten stoppen? Eher nicht, denn die Post-68er-Bewegung war eine auf Modernisierung erpichte und in den 70ern erschöpfte Jugendrevolte, die heutige rechte Revolte aber kommt aus der Mitte der Gesellschaft und wird von Modernisierungsverlierern dominiert.

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