Staatsverschuldung = Bankrotterklärung

Falter & Meinung, FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Der Finanzkapitalismus zwingt Schuldner zum Sparen und zeigt, dass er eine historische Lektion verlernt hat

Kommentar: Stephan Schulmeister

Die USA könnten nicht pleite gehen, dafür sei ihre Wirtschaft zu groß. Ganz anders kleine, disziplinlose Staaten wie Griechenland. So überdecken Analysten und Professoren den systemischen Charakter des Schuldenproblems. Ihre Therapie bleibt am Symptom hängen: Alle Schuldner müssen sparen.

Wenn die US-Regierung nun keine Steuern erhöhen darf und ihre Ausgaben umso stärker senken muss, wird dies die Wirtschaftslage und damit auch die Lage der öffentlichen Finanzen verschlechtern.

Dieses "Sparparadox“ wurde durch die Aufarbeitung der Weltwirtschaftskrise begriffen. In den 20er-Jahren hatte der deutsche Reichskanzler Brüning den Haushalt durch Sparen zu konsolidieren versucht und damit die Krise massiv verschärft. In den letzten Jahrzehnten hat die zunehmende Marktreligiosität der Eliten diese und andere Einsichten der Makroökonomie verdrängt.

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