Am Apparat  

Herr Dörfler, wie wollen Sie die Gewerkschaften auflösen?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler sorgte jüngst für große Aufregung mit seiner Forderung, die Gewerkschaften aufzulösen. Im Interview versucht er, sein Anliegen zu erklären.

Herr Dörfler, wollten Sie mit Ihrem Sager das Sommerloch füllen?

Das war kein Sager, das war ein Diskussionsbeitrag. Wo der ÖGB seine Finger im Spiel hat, gibt es die größten Pleiten. Die Gewerkschaften haben ihr Potenzial verspielt und sind nicht mehr in der Lage, die Arbeiter zu vertreten, sondern schützen nur noch die Beamten - und blockieren damit à la Fritz Neugebauer jede Reform. Der Österreichische Gewerkschaftsbund verliert stetig an Mitgliedern, während die Arbeiterkammer trotz Pflichtmitgliedschaft von der Bevölkerung sehr geschätzt wird.

Auf welcher gesetzlichen Grundlage wollen Sie die Gewerkschaften, die als Vereine organisiert sind, auflösen?

Ich will sie nicht auflösen, sondern ich will ihnen das Recht nehmen, die Kollektivverträge auszuhandeln. Das soll in Zukunft die AK machen, was für mich keinen Klassenkampf bedeutet, sondern nur das Einsparen von Doppelstrukturen. Der ÖGB wäre dann quasi ohne Aufgaben und kann gerne zurückbleiben als arbeitsloses Instrument von ein paar Funktionären, von denen kein Arbeiter mehr vertreten werden will.

Verliert die Gewerkschaft nicht vor allem deshalb an Stärke, weil immer mehr Menschen prekär beschäftigt sind?

Das beweist nur, dass die Struktur des ÖGB heute nicht mehr zeitgemäß ist. Ich bin für starke Arbeitnehmerrechte, aber die müssen auf europäischer Ebene organisiert sein.

Sie kommen aus einem sozialdemokratischen Haus, steht die Gewerkschaftsbewegung nicht auch für stolze, selbstbestimmte Arbeiter?

Mein Vati hat zu mir immer gesagt, wenn du ein fleißiger Mensch bist, brauchst keine Gewerkschaft. Tüchtige Arbeiter brauchen das nicht.

Interview: Wolfgang Zwander


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