Mediaforschung  

Herr Federsel, wie macht man Werbung ohne viel Geld?

Nachfragekolumne

Medien | Julia Prummer | aus FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Was ist das Schönste am Kinobesuch? Die riesige Leinwand? Das Rascheln des Popcorns? Die theatralischen Trailer vor Filmbeginn? All das gehört zum cineastischen Erlebnis dazu. Kaum ein Besucher wird aber sagen, ihm gefällt besonders die Werbung kurz vor dem Start. Und doch gibt es manchmal richtig kreative Spots.

Ein solcher ist die neue Kampagne von JP Immobilien. In der gibt es keine Bilder und nur spärlichen Ton. Die Protagonisten sind die Zuschauer selbst. Auf der weißen Leinwand steht in schwarzen Lettern: "Reihe 9, Platz 4 wird mitten im Film einschlafen. Sein Nachbar hat gestern Geburtstag gefeiert.“

Im Kinosaal hört man Kichern und fragt sich, was der Kinobesucher auf Reihe 9, Platz wohl 4 über diesen Schmäh denkt. Da trifft es schon den Nächsten: "Reihe 1, Platz 12: Kennt sich bei Surround Sound super aus. Wohnt nämlich an der Tangente.“

Der selbstständige Werber Tobias Federsel sagt, er wolle den Zuseher zum Schmunzeln bringen: "Wenn ich ihm schon 30 Sekunden seines Lebens stehle, dann muss ich ihm zumindest Spaß anbieten.“ Der Spot erzählt Geschichten von Kinobesuchern in unglücklichen Wohnsituationen - die Lösung ihrer Probleme hat natürlich das werbende Unternehmen JP Immobilien.

Große Marken lassen gerne aufwendige, actionreiche Werbespots fürs Kino produzieren. So etwas kann sich ein Wiener Immobilienunternehmen nicht leisten. Manchmal würde aber, so Federsel, aus der Not eine Tugend: "Bei geringerem Budget entstehen oft klarere Ideen. Außerdem gilt in der Werbung: Wenn alle grün angezogen sind, dann zieh dich rot an, und du wirst auffallen.“ Oder anders gesagt: Wenn alle laute Werbespots bringen, dann werde ganz leise - und das Publikum wird dir zuhören.


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