The Green Lantern: 200 Millionen Dollar schwere Superhelden im Kampf gegen die eigene Fadheit

Feuilleton | aus FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Filmkritik: Michael Pekler

Das wirklich Bedenkliche an diesem Superheldenfilm ist, dass man sich mit ihm zufriedengibt. Da kann man noch so oft den angeblich gesellschaftskritischen Marvel-Comics gegenüber den reaktionären Konkurrenten aus dem DC-Verlag den Vorzug geben oder über die neue Verletzlichkeit der Helden sinnieren, die in unterschiedlichen Verkleidungen ihre immergleichen Traumata verarbeiten. Bei 200 Millionen Dollar Produktionsbudget hören sich die Visionen eben auf, da muss sogar das Universum auf eine buchstäblich berechenbare Größe schrumpfen.

Wer als Filmemacher in dieser sich selbst erhaltenden Parallelwelt nicht derart verzweifelt scheitern möchte, wie etwa Ang Lee mit seinem "Hulk“, sollte am besten gleich gar keine Ideen haben, wie nun Martin Campbell mit "The Green Lantern“.

Ryan Reynolds spielt den bereits in den 1940er-Jahren kreierten Superhelden, dem als ersten Menschen die Ehre zuteil wird, der Weltraumpolizei "Green Lantern Corps“ anzugehören - und das natürlich zunächst unfreiwillig und ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem die bösartige gelbe Macht Parallax die Erde bedroht.

Der alles verschlingende und sich von Angst nährende Staubkrake, der zum zehnten Jahrestag von 9/11 panisch schreiende Menschen durch amerikanische Häuserschluchten treibt, hält sich darüber hinaus einen irdischen Stellvertreter in der Person eines vom Angstvirus infizierten Wissenschaftlers, den als Politikersohn die Frauen hassen. So weit, so vorhersehbar.

Weder lässt sich ein durchgehendes Interesse für bestimmte Motive erkennen noch für das lächerliche Aussehen der Außerirdischen oder die Beziehungen der ohnehin wenigen Figuren zueinander. Der wahre Kampf der grünen Laterne findet nicht gegen die Angst, sondern gegen seine Fadheit statt. Aber was soll’s, mit "Captain America“ schaut in wenigen Wochen eh schon der nächste Superheld auf Besuch vorbei.


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