Stadtrand 

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Matthias Dusini | aus FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Tel Aviv in Neubau: vom Wohntraum zur Zeltstadt

In Tel Aviv demonstrieren die jungen Leute gegen zu hohe Mieten in der Innenstadt und zelten auf den Boulevards. Aufgrund von Immobilienspekulationen sind die Wohnungen so teuer, dass sie sich kein Studierender mehr leisten kann.

In Wien gibt es zum Glück keine Zeltstädte. Das ergab ein Lokalaugenschein in Wien-Neubau, wo am letzten Wochenende der Sommerschlussverkauf zu Ende ging. Hier reiht sich ein niedlicher Shop an den nächsten, die Menschen kleiden sich nach der neuesten Art und versammeln sich vor den Biobistros zum gemeinsamen Sinnieren. Hat man eine Idee, bringt man sie mit einem Fineliner aus dem nahen Stabilo-Flagshipstore zu Papier. Einmal rüberschauen ins Park, da kostet der Pullover von Ann Demeulemeester nur mehr 400 Euro. In diesem Grätzel wird jede Woche eine neue Geschäftsidee realisiert, ein Nischchen im moralisch verfeinerten Markt der Minimaldistinktionen gefunden. Zieht nach Wien, Israelis! Bei uns hält die Blase einer kommunal und elterlich geförderten Selbstverwirklichung.

Matthias Dusini denkt über israelische Zustände in Wien nach


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