Tiere

Bohrloch

Falters Zoo | aus FALTER 31/11 vom 03.08.2011

Peter Iwaniewicz ist Biologe und schreibt im Falter seit 1993 über das Tier im Menschen

Die Füße auf den Tisch legen

und nasenbohren.

Das ist Freiheit

Josef Hader

Frau S. fragt an, ob es tatsächlich diese Studie gibt: "64 Prozent der Menschen bohren mit dem Zeigefinger, circa 25 Prozent mit dem kleinen Finger und weniger als zehn Prozent mit dem Daumen in der Nase“. Hier ist zwar nicht die Zeit-Kolumne "Stimmt’s“ von Christoph Drösser, aber richtiges Nasebohren, nein ... gutes Benehmen ist natürlich immer ein Thema für Freunde tierischen Verhaltens. Obwohl es offenbar viel Interesse an dieser alltäglichen, aber tabuisierten menschlichen Tätigkeit gibt, sind Studien darüber kaum vorhanden bzw. erfunden. So wie die eingangs genannte, aber auch jene witzige Parodie auf wissenschaftliche Publikationen, die unter dem Titel "Nasebohren bei Menschenaffen und seine Bedeutung für die menschliche Evolution“ erschienen ist.

Das Problem beginnt schon bei der Nomenklatur. Der Duden hat dazu keinen Eintrag, und so bleibt es unklar, ob es korrekt Nasen- oder Nasebohren heißt. Die Mehrzahlform impliziert die Verwendung zumindest einer weiteren Nase, weswegen ich den Singular bevorzuge.

Sollte diese Angewohnheit zwanghaft werden, dann sucht man einen Arzt auf und lässt sich wegen Rhinotillexomanie behandeln. Will man dort auch über die Ergebnisse seiner Bohrungen berichten, dann spricht man nicht derb von Rammeln oder Popeln, sondern botanisch-bildhaft von Borken. In Deutschland ist dafür auch der frugale Begriff Korinthe in Verwendung, der sich je nach Färbung und Größe des Objekts auch als Sultanine oder Zibebe variieren lässt.

Möchte man sich wegen der Angewohnheit, das getrocknete Nasensekret zu verspeisen, behandeln lassen, dann erwähnt man seine Vorliebe für Mukophagie.

Wird man wie Jogi Löw, deutscher Fußballnationaltrainer, öffentlich dabei erwischt und landet auf Youtube, dann sagt man am besten: "Ich bin ein nachdenklicher Mensch und gehe gern in mich.“

Die orthografisch leicht zu verwechselnden Nasenbären bohren hingegen nie in ihrer Nase. Vielleicht werden sie auch deswegen zunehmend gerne als Haustiere gehalten. Als Kuscheltiere eignen sie sich dennoch nicht, ihre vier dolchartigen Eckzähne bohren einem schnell Löcher in die Nase.

zeichnung: pueribauer.com


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