Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 32/11 vom 10.08.2011

Wenn Joseph Gepp an einem Montag um 17.36 Uhr vergnügt die Redaktion verlässt, Reinhard Hackl, unser Setzer fürs Grobe, über ein Take-That-Reunion-Konzert schwärmt, das er und 68.139 Frauen besucht haben, und Gerhard Stöger einen Schnauzbart trägt, nun, dann muss etwas geschehen sein.

Es kam so schleichend, dass sich rückblickend nicht mehr sagen lässt, wie es anfing. Irgendwann war Armin Thurnher einfach weg. Zurück blieb lediglich seine Ausgabe der Süddeutschen Zeitung, die wir gerecht untereinander aufteilen.

Dann, es war Mittwochnachmittag und der letzte Sommersonnenschein hatte die Redaktion bereits geleert, sprang Wolfgang Zwander auf und sagte: "Ich muss nach Kärnten.“ Gefragt, warum er schon wieder fahre, wo er seiner Heimat doch erst vergangene Woche abgeschworen hatte, meinte er: "Man muss an das Leben glauben.“

Ans Leben glauben, ja, vielleicht ist es so einfach. Vielleicht war Gepp nur deshalb so fröhlich, weil er noch nie so früh mit der Montagsarbeit fertig war, und Hackl auf einem Take-That-Konzert, weil er Frauen mag. Aber warum Stögers Schnauzer?

Seine mimische Reaktion auf die Feststellung, er sehe damit aus wie das homosexuelle Mitglied einer progressiven Punkrockband der 80er-Jahre, vornehmlich "No means no“ oder "Hüsker Dü“, rief uns jedenfalls die Regel Nummer sechs des Falter-Glaubensbekenntnisses in Erinnerung: Erzähle Gerhard Stöger nichts über Punk.

Und gleich darauf, von einem Schmerz hinter den Schläfen begleitet, folgte Regel Nummer neun: Entwende niemals die SZ des Chefs.


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