"Ich bin kein Verehrer!“

Politik | Interrogatio: Ingrid Brodnig, Armin Thurnher | aus FALTER 32/11 vom 10.08.2011

Wie denkt Karlheinz Töchterle? Der Wissenschaftsminister ist keineswegs Platoniker, verteidigt Zugangsbeschränkungen und stellt sich stöhnend einem Antike-Wordrap

Seit 21. April hat Karlheinz Töchterle sein neues Büro als Wissenschaftsminister. Wohin er sich setzen soll, war ihm die längste Zeit nicht klar - bei den vielen Spiegeln. Jetzt aber ist ein Fixplatz gefunden. Töchterle formuliert bedächtig, nicht wie ein Politiker, obwohl er um das tückische ewige Gedächtnis der Medien Bescheid weiß. Töchterle ist der erste Altphilologe in einem Ministeramt. Neben seinem Schreibtisch liegen drei Bände Cicero, neben Büchern und Akten wirken sie wie eine eiserne Reserve.

Falter: Herr Minister, hätte Ihr Bildungskonzept den norwegischen Attentäter verhindern können?

Karlheinz Töchterle: Ich fürchte nicht. Der deutsch-amerikanische Curriculumforscher Saul B. Robinsohn hat uns Humanisten in den 70er-Jahren das Versagen der humanistisch Gebildeten vor der nationalsozialistischen Barbarei


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