Mediaforschung

Wieso hat die Frau eine Banane im Mund, Herr Strohmayer?

Nachfragekolumne

Medien | Sebastian Huber | aus FALTER 32/11 vom 10.08.2011

Ein Aufruf zu Oralsex? Oder ein Plädoyer für eine gesunde Jause? Eine halbnackte, durchgestylte Frau sitzt vor einem Berg Pancakes am Frühstückstisch. Und stopft sich mit genüsslich geschlossenen Augen eine Banane in den Mund. Dahinter ein Mann in Boxershorts. Das kann nur Unterwäschewerbung sein.

"Die Banane wird sofort als Phallussymbol gesehen und nicht als Frühstücksobst. Faszinierend, wie wir meinen“, wundert sich Creative Director Markus Strohmayer über irritierte Reaktionen. Gemeinsam mit seinem Team der Agentur Ideenwerk hat er die "Part of Life“-Kampagne der Unterwäschemarke Skiny entworfen.

Das beworbene Produkt wollte man zurücknehmen und eine Geschichte erzählen - daher werde "Raum zur Interpretation geboten“. Abhängig von persönlichen Moralvorstellungen und Humor darf sich der Betrachter seine eigene kleine Handlung ausdenken.

Der Bildaufbau lenkt die Fantasie jedoch in eine eindeutige Richtung. Da die Banane im Frauenmund und das Geschlechtsteil des Mannes auf derselben bildlichen Querachse positioniert wurden, ist die Oralsex-Assoziation die logischste. Sex sells ist allerdings schon etwas abgelutscht. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, muss die Skiny-Zielgruppe offenbar überdeutlich darauf hingewiesen werden.

Zugegeben wird das ungern: "Es hätte auch eine Semmel statt einer Banane sein können“, erklärt Strohmayer. Weißgebäck gilt aber als Dickmacher. Dadurch wäre die zweite Geschichte, die in dem Bild schlummert, gestorben: die der gesunden Jause. Ein junges Pärchen lässt die fettigen Pancakes stehen. Stattdessen greift er zur Milchflasche und sie zur vitaminreichen Banane. Wer diese Story als erste Assoziation hatte, ist entweder ein bemerkenswerter Querdenker oder erfrischend asexuell.


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