Kalter Krieg mit Puck und Uran

Feuilleton | Rezension: Sigrid Löffler | aus FALTER 32/11 vom 10.08.2011

Materialreich und ausgetüftelt, aber auch ein wenig geheimnislos: Josef Haslingers neuer Roman "Jáchymov“

Will man wissen, wie die stalinistische Denke im Kalten Krieg funktioniert hat, so bietet die Tschechoslowakei um 1950 manch drastisches Beispiel. Das drastischste ist wohl der Fall der legendären Eishockey-Nationalmannschaft.

Um das Volk einzuschüchtern und aus Angst, die Sportler könnten im Ausland abspringen und so das Regime blamieren, entschieden sich die kommunistischen Machthaber für einen radikalen Schritt. 1950 wurde das gesamte Team verhaftet und zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Fingierte Anklage: Hochverrat und Störung der sozialistischen Staatsordnung.

Am härtesten traf es den Star der Mannschaft, den gefeierten Torwart Bohumil Modry. Er wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt und zur Zwangsarbeit in die Uranminen von Jáchymov geschickt. 1955 amnestiert, war Modry ein physisch gebrochener Mann. An der Strahlenkrankheit ging er elend zugrunde, keine 47 Jahre


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