Hörbuch der Stunde

Alles Müller, oder: Telefonbuchtexte

Feuilleton | Anja Hirsch | aus FALTER 32/11 vom 10.08.2011

Ich, wer ist das?“ Auch 36 Stunden Heiner Müller (1929-1995), handlich geschrumpft auf vier MP3-CDs, können diese Frage nur verkomplizieren. Vom gigantischen Ausmaß dieser Originaltonedition des Alexander Verlags mit Lesungen eigener und fremder Texte, Gesprächen und Kommentaren sollte man sich nicht abschrecken lassen - und auch nicht mäkeln, dass sie nur ein Nischenpublikum erreichen wird.

Vielmehr ist Jubel angesagt, weil die Idee, den Dramatiker aus Tondokumenten zusammenzusetzen, irrwitzig ist. Sie wäre wohl auch im Sinne Heiner Müllers, der sagte: "Mein Text ist ein Telefonbuch, und so muss er vorgetragen werden, dann versteht ihn jeder. Denn dann ist es eine Erfahrung, die man mit einem fremden Material macht. Erfahrungen machen besteht doch darin, dass man etwas nicht sofort auf den Begriff bringen kann. Dass man später beginnt, darüber nachzudenken.“

Statt erneut Belege zu sammeln für Verschmelzungs- oder Gegenpositionen zu dem stets kontrovers diskutierten Autor, bleibt


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