Stadtrand

Temporär? Das ist nicht mehr!

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 32/11 vom 10.08.2011

Was hatte Wien schon alles temporär: Kunsthallen, Fanzonen, Freilufttheater und Glühweinschenken zwischen bunt beleuchteten Wassercontainern. Und natürlich: Sondermüllannahmestellen. Die wurden jetzt offensichtlich abgeschafft. Klammheimlich. Wohin bringen die Leute nun altes Frittierfett, ausgelaufene Batterien, ätzende Lösungsmittel, kaputte Neonröhren und all die anderen Unerfreulichkeiten urbanen Hausens? Offenbar besteht kein Bedarf mehr am ordnungsgemäßen Entsorgen. Oder man kippt sein Altöl und die Nitroverdünnung einfach ins Klo, so wie früher. Wo ist sie hin, die gute alte Wertstoffinsel, das jahrzehntelange Wiener Provisorium? Die orangen Blechhütten der MA 48 mit dem süßen Babyfoto drauf, das denen ein schlechtes Gewissen machen sollte, die Haushaltsgift in den Restmüll werfen. Wo einst der freundliche Herr von der Abfallwirtschaft stinkenden Sondermüll entgegennahm, parken nun wieder Autos. Sondermüll, so scheint es, hat die Aura des Besonderen endgültig verloren.


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