Bunte Kammern für ein helleres Gemüt

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 32/11 vom 10.08.2011

Vom Esoteriker zum Kultkünstler: Rudolf Steiner im Mak

Der 150. Geburtstag am 27. Februar ist zwar schon längst vorbei, aber im Museum für angewandte Kunst (Mak) hält die Jubelstimmung für den Lebensreformer Rudolf Steiner (1861-1925) an. Kaum zu glauben, was der gebürtige Österreicher, der nach seinem Studium an der Technischen Universität Wien ins Ausland ging, so alles zusammengedacht hat.

Er entwickelte die Grundsätze der Waldorfpädagogik, der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, der Naturkosmetik und Naturheilkunde. Von Steiner stammt die Tanzform Eurythmie, von ihm selbst als "durchgeistigtes Turnen“ bezeichnet.

Das alles wird einem in der Schau "Rudolf Steiner - Alchemie des Alltags“ bestens erklärt. Originalbriefe belegen den intellektuellen Austausch mit Dichtern wie Else Lasker-Schüler und Franz Kafka. In einer Zeit des technischen Größenwahns mobilisierte der ausgebildete Lehrer die Kräfte des Individuums. Do it yourself! Und dann gibt es noch seine grandiosen Lehrtafeln, auf denen er in seinen zahlreichen Vorträgen seine Theorie erklärte und die Künstler wie Joseph Beuys inspirierten. Neben Beuys sind Werke von Designern und Künstlern wie Olafur Eliasson und Konstantin Grcic zu sehen, die den Einfluss Steiners auf die moderne Gestaltung dokumentieren.

Von Steiner selbst und seinen Mitstreitern stammen 45 Möbel, 46 Modelle, 18 Skulpturen, mehr als 100 Originalzeichnungen. Ausführlich wird die Entstehung des Goetheanums in Dornach bei Basel dargestellt.

Der Betonbau war das Zentrum der anthroposophischen Bewegung und wird inzwischen auch als Meilenstein organischer Architektur, die den rechten Winkel verabscheut, geschätzt. Lange genug hatte man ihn als obskuren Esoteriker belächelt. Nun kann man sich in eigens eingerichteten Farbkammern davon überzeugen, dass sich das ganzheitliche Weltbild Steiners wohltuend auf das Gemüt auswirkt.

Mak, bis 25.9.


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