Fotografie Kritik

Mit einem Tulpenstrauß auf den Schlachthof

Lexikon | aus FALTER 32/11 vom 10.08.2011

Bei Ausstellungen von Fotokunst ist St. Petersburger Hängung höchst selten. Insofern macht der Auftakt der Schau "Magie des Objekts“ im Leopold Museum stutzig. Was für einen Sinn soll die wandfüllende Präsentation von Fotografien haben, die weit über den Köpfen nicht mehr richtig angesehen werden können? Andra Spallart und Fritz Simak verkünden jedoch im Saaltext, dass sie mit dem "ästhetischen Modell“ ihrer Fotosammlung gegen die Konventionen denken und sehen wollen. Wer sich auf die (Über-)Hängung einlässt, findet vielleicht Gefallen an den mal dicht gruppierten, mal vereinzelten Vintage Prints; für das genaue Betrachten fehlt ein Operngucker.

Der proklamierte "antihistorische Geschichtsbegriff“ der Privatsammlung schlägt sich im Nebeneinander von Fotoarbeiten aus unterschiedlichen Epochen nieder, die häufig ein ähnliches Motiv verbindet. So etwa in der nicht humorlosen Reihung, die ein Bild von Hermann Nitschs 50. Aktion mit einer Werbung zur bäuerlichen Frühjahrsmesse mit dem Slogan "Esst mehr Rindfleisch“ und den Pariser Schlachthofbildern von Dora Kallmus zusammenbringt. Die Konfrontation weiterer Bilder toter Tiere mit Elfriede Mejchars Tulpenfotos ist hingegen etwas gar viel Vanitasbeschwörung. Die Nähe zum Tod zieht sich quer durch die ganze Schau, wenn ein makabres Aktmodell in Franz Fiedlers Serie von 1922 mit einem Skelett tanzt oder mehrere Fotos mit Totenmasken zu sehen sind. Natur- und Pflanzenstudien stellen den zweiten Schwerpunkt dar, die Edward Westons berühmte Kohlblätter ebenso wie Ansel Adams ikonische Ansichten von Holzstücken zu bieten hat. Absolute Highlights stellen auch Berenice Abbotts Fotos dar, neben denen viele der Zeitgenossen fast nur verlieren können. NS

Leopold Museum, bis 2.10.


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