Film Neu im Kino

Sommerkino-Konfekt: innen bitter, außen süß

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 32/11 vom 10.08.2011

So bricht man beim ersten Date eher nicht das Eis: "Also, was ist Ihre Meinung zur Lage im Nahen Osten?“ Wenn das nervöse Gegenüber vor allem mit Schweißbekämpfung beschäftigt ist, sind Konversationsversuche aber ohnehin zum Scheitern verurteilt.

"Die Anonymen Romantiker“ heißt die Komödie vom französischen Regisseur Jean-Pierre Améris. Im Originaltitel ist nicht von Romantikern, sondern von "émotifs“, Menschen von übergroßer Empfindsamkeit, die Rede: Menschen wie Angélique (Isabelle Carré), deren krankhafte Schüchternheit ihre Karriere als Chocolatier sabotiert, und der Schokoladeunternehmer Jean-René (Benoît Poelvoorde), der sich nicht traut, einer Frau auch nur die Hand zu geben.

Dass die zwei "zusammengehören“, lässt sich schon an ihrer Schokoprofession und -passion ablesen. Äußere Hindernisse stellen ihnen Améris und Co-Autor Philippe Blasband keine in den Weg (weshalb nach kompakten 80 Minuten Schluss ist). Dafür stolpern die beiden emotional Beeinträchtigten umso häufiger über ihre eigenen Beine. Für die Hauptdarsteller ist das ein Geschenk. Vor allem im famos beweglichen Gesicht von Benoît Poelvoorde (derzeit auch zu sehen in "Nichts zu verzollen“) wird der Widerstreit zwischen emotionaler Heftigkeit und Hemmung zum nervösen Slapstick.

Das Rundherum ist deutlich zahmer. Bitterkeit, nicht Süße würde den Reiz von Schokolade ausmachen, erklärt Angélique. Aber die vielen Nebenfiguren, die einzig als drollige Liebesboten zur Geltung kommen, und das zeitentrückte Setting - Lyon als Backsteinmärchenland - akzentuieren vor allem das Niedliche, Süßliche an diesem Stück Sommerkino-Konfekt.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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