Film Neu im Kino

Lichtreflexion mit Witz, Cinephilie mit E.T.

Lexikon | aus FALTER 32/11 vom 10.08.2011

Der Name J.J. Abrams ist eine Trademark für Bilder mit Unsicherheitsfaktor: Jede Konstellation kann totale Relativierung dessen, was sie zeigt, in sich bergen. Also will jeder von Abrams konzipierte oder inszenierte Anblick nach An- und Fragezeichen abgetastet sein: etwa die retroaktiv umgebauten Vorgeschichten von Figuren in der Serie "Lost“, in "Mission: Impossible 3“ oder im "Star Trek“-Neustart. Mit dem Invasions-mockumentary "Cloverfield“ wiederum führte er vor, dass nichts - auch nicht ein Yuppiestadtviertel verwüstendes Alien - so monströs, so sehr des Zeigens wert ist wie unsere normale, in jedem Sinn wacklige (Selbst-)Wahrnehmung im Digicam-Dauermodus.

Diese Elemente seiner Mindgamemovies türmt Abrams nun zum veritablen Spiel-Berg auf - wie jener magnetische Turm aus losen Dingen, der am Kinnladen öffnenden Ende von "Super 8“ steht. Unter dem Amblinlogo und im Zeichen der Verehrung von Spielbergs Frühwerk bietet "Super 8“ Kleinstadtsatire mit Teenienerds, die 1979 beim Dreh eines Amateurzombiefilms in ein Armeegeheimprojekt rund um ein flüchtiges Alien geraten. So relaxt wie konzeptuell, so amüsant wie sinnreich wird hier ein Thema variiert: Unvertrautes nimmt im Alltag Platz - pubertäre Gefühle, Brüche im Sozialgefüge, außerirdisches Leben und die Sättigung irdischen Lebens mit Mediengeräten wie Kamera (darunter eine jener Kameras, die Eumig bis 1981 in Wien und Fohnsdorf baute). Im Fluchtpunkt verspielter Motivketten steht das Faszinosum Film: Das untote Bild, das rattert wie ein Zug oder Fahrrad, leuchtet wie ein Lichtreflex am Himmel, die Zeit formt wie eine Uhr, schockt wie ein Monster - und doch die fragile Existenz behütet wie jene Mutter, die hier nur als Schmalfilmprojektion auftritt. Das ist wohl etwas kleinbürgerlich, aber doch großes Kino. DR

Derzeit in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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