Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

Der Horror trägt in diesem Haus einen Namen: die kurze Woche. Der gemeine Falter wird montags fertiggestellt. Ist Montag Feiertag, muss er bereits am Freitag druckfertig sein. Kurz: dieselbe Arbeit in der gefühlten Hälfte der Zeit. Längst wissen unsere Kinder und Mütter, unsere Yogalehrer und Stammwirte: Sagen wir "kurze Woche“, ist mit uns nicht zu rechnen.

Dass wir auf ereignisarme Tage hofften, erklärt sich von selbst. Dass deshalb an den Börsen der Welt nervliche und in England soziale Unruhen ausbrachen, wohl ebenso. Wolfgang "Ich ruf’ in England an“ Zwander behauptet, er sei um 4.30 Uhr aufgestanden. Birgit "Der Zoo? Oh Gott, der Zoo!“ Wittstock sah mitunter so aus, als hätte sie überhaupt nicht geschlafen. Und Nina "Wo bleibt der Text!?“ Horaczek vergaß ihr Handy zu Hause - das gab es noch nie.

Das Einzige, was herein- und wieder hinausdrang, waren Informationen. Und wir natürlich - um zu schlafen. Zwischendurch wurde gejammert, wobei sich Gejammere und Arbeit indirekt proportional zueinander verhielten. Freitagnachmittag wurde so intensiv getippt, redigiert und korrigiert, dass weitere Geräusche entfielen.

Es war einer dieser Momente, als Christopher Wurmdobler noch frischer und entspannter, als es seinem ohnehin erschreckend frisch-entspannten Naturell entspricht, die verrauchte Bühne des Weltschmerzkammerltheaters betrat und den Text einrichtete, den er in seinem Urlaub geschrieben hatte. Es war still, niemand war ausreichend anwesend, um mit ihm zu sprechen, da drang es aus einer der Bürohöhlen leise hervor: the horror, the horror.


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