Am Apparat

Herr Plesser, wie wird man der beste Austro-Chinese?

Telefonkolumne

Politik | Interview: Joseph Gepp | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

Thomas Plesser, 21 Jahre, Student aus Mödling, ist ganz offiziell der beste nichtchinesische Chinesischsprecher der Welt. Vergangenen Donnerstag setzte er sich in einer bombastischen Fernsehshow in der Provinz Hunan gegen 120 Mitbewerber aus 60 Ländern durch. Plesser verbrachte ein Schuljahr und den zivilen Auslandsdienst in China. Der Falter erreichte ihn nahe Schanghai.

Herr Plesser, wie viele Leute haben die Fernsehshow gesehen?

Es gibt noch keine Zahlen. Aber in den letzten Jahren waren es immer mehrere Millionen.

Sie haben Diabolo gespielt und auf Mandarin eine Rede über Helden gehalten. Wie waren die Reaktionen?

Durchwegs sehr gut. Der Auswahlprozess geht ja schon seit Monaten, die Fernsehshow war das Finale. Wir bekamen eine Debatte über die Frage vorgegeben, wie man Helden beurteilen solle: allein aufgrund ihres Erfolgs oder Misserfolgs oder auch aufgrund ihres Strebens und ihrer Ideale.

Welchen Preis haben Sie gewonnen?

Urkunden und einen Pokal, der so schwer ist, dass ich gar nicht weiß, wie ich ihn nach Hause transportieren soll. Der eigentliche Hauptpreis ist ein Studium in China, das die chinesische Regierung finanziert, inklusive Flügen, Unterkunft und Taschengeld.

Wann treten Sie es an?

Das weiß ich noch nicht. Ich habe ja nicht damit gerechnet, dass ich den Preis gewinne. Zuerst werde ich mein Studium in Österreich fertigmachen. Und vorher mache ich zwei Wochen Urlaub in China.

Chinesisch gilt ja gemeinhin als ziemlich schwere Sprache. Wie lernt man so etwas eigentlich?

Ich habe es ohne große Textbücher und Vokabel gemacht, indem ich mit 15 Jahren ein Austauschjahr in China verbracht habe. In diesem chinesischen Umfeld habe ich viel mehr gelernt als in jedem Klassenzimmer. Man muss halt möglichst viel im Land sein, sich möglichst integrieren und viel mit den locals sprechen.


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