Mediaforschung

Herr Palfrader, wirbt der Kaiser für die Tageszeitung Österreich?

Nachfragekolumne

Medien | Sebastian Huber | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

Auch wir lesen Österreich“, näselt der vermeintliche Kaiser und hält die Boulevardzeitung aufgeschlagen vor seinem Gesicht. Ausgerechnet Robert Palfrader, der sonst Boulevardmedien gegenüber als kritisch gilt, wirbt jetzt in TV-Spots und auf Plakaten für das Fellner-Blatt? Da stimmt doch was nicht.

Da stimmt tatsächlich was nicht, sagt Palfrader, der sich gerade im Waldviertel vom Dreh für die TV-Serie Braunschlag erholt. Zwar habe ihn Österreich-Geschäftsführer Oliver Voigt vor Monaten umworben und unbedingt als Werbeträger gewollt. Doch Palfrader ließ ihn abblitzen.

Also wurde ruckzuck ein Kaiser-Double aufgetrieben, der Werbespot gedreht - fertig. Voigt begründet das so: "Es gibt keine Exklusivität auf das historische Bild des Kaisers. Das nasale Schönbrunner-Deutsch gab es auch schon vor Palfrader.“ Bei der Frisur des Doubles gesteht er, dass sie doch sehr an den ORF-Kaiser erinnere: "Hier hätte unser Kreativteam auch anders vorgehen können. Vielleicht wird der nächste Kaiser ja grauhaarig.“ Im Verhältnis zu Palfrader sieht Voigt nun eine "zwischenzeitliche Verstimmung, die sich wieder legen wird“.

Für den Betrachter ist nämlich klar: Hier sitzt der echte Palfrader. Darf man denn einfach ein Double hernehmen und damit eine Kampagne starten? Das kann man doch unmöglich machen, oder?

Doch. Wie auch bei der journalistischen Arbeit gibt sich Österreich werbetechnisch wenig zimperlich. "Ich habe Voigt angerufen und gefragt, was das soll“, erklärt Palfrader und versucht sich zu beherrschen. Danach habe er seine Anwälte eingeschaltet. Vor allem seine Kabarettistenkollegen Scheuba und Maurer hätten ihm zur Klage geraten. Allerdings: "Da spiel ich mich lieber mit dem Grind zwischen meinen Zehen, bevor ich mich mit dieser Zeitung herumschlage.“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige