Buch der Stunde

20 Jahre nach dem Augustwunder

Feuilleton | Erich Klein | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

Vor 20 Jahren ging die Sowjetunion in einem dramatischen Showdown zu Ende: Boris Jelzin rief die Bevölkerung zum Widerstand gegen die putschenden Altkommunisten auf. Ein Augustwunder folgte, erstmals in der Geschichte Russlands war Politik von unten erfolgreich. Die beiden Soziologen Lev Gudkov und Viktor Zaslavsky holen für ihre Ortsbestimmung des postkommunistischen Russlands weit aus. Jelzin rührte den militärindustriellen Komplex viel zu lange nicht an, Reformen blieben stecken. Wirtschaftliche Effizienz wurde wie in Sowjetzeiten sozialer und politischer Stabilität geopfert, trotzdem bekamen Ärzte, Lehrer oder Pensionisten bisweilen kein Geld.

Ende der 90er-Jahre hatten ehemalige Komsomolführer das Volksvermögen privatisiert, als Oligarchen schworen sie Putin Loyalität. Nie kam die Misere im einstigen Reich der Werktätigen deutlicher zum Ausdruck als in der Erklärung eines Energieministers: "Ein Bergarbeiter hat nicht mehr Recht, seinen Arbeitsplatz zu verlassen, um zu streiken,


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