Ohren auf

Dunkle Lieder und altbewährte Krachmacher

Sammelkritik

Feuilleton | Andreas Felber | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

Minimalistisches Design und ein offener Blick für das weite Feld zwischen freier Improvisation und Elektronik, avantgardistischem Rock und Noise haben Rune Grammofon seit der Gründung 1998 internationalen Ruhm beschert. Das von Rune Kristoffersen geleitete Osloer Label gilt neben Bugge Wesseltofts kulinarisch orientierter Jazzland-Plattform als internationales Schaufenster für Norwegens produktive junge Experimentalmusikszene.

Zurzeit tendiert Rune Grammofon auch in Richtung freigeistiger Singer/Songwriter. Da sind etwa die süßen, dunklen Lieder von Phaedra alias Ingvild Langgård: "Death Will Come“ tönt es aus dem ersten Song des Debütalbums "The Sea“ der Zweiunddreißigjährigen aus Oslo, das in der Folge (etwas allzu) unbekümmert in die Gefilde des Lagerfeuer-Folkpop steuert.

Im Rahmen des gewohnten Kernprogramms bewegt sich die aktuelle Veröffentlichung des gewitzten Damen-Vierers Spunk um Vokalistin und Soundelektronikerin Maja Solveig Kjelstrup Ratkje. Im Zuge der Live-DVD "Light“ entwickelt das Quartett in freier Improvisation einen vor allem in der detailreichen Überlagerung abstrakter und ambient-inspirierter Sounds berückenden 42-minütigen Klangstrom mit zunehmender Sogwirkung. Die aktionsarme Konzertsituation und die statische Kameraführung machen die Herausgabe dieser Aufnahme als DVD freilich nicht zwingend nachvollziehbar.

Eine rare Ausnahme vom strikt norwegischen Musiker- und Musikerinnenkatalog macht das schwedische Trio Fire! um den in Wien ansässigen Saxofonisten Mats Gustafsson. Noch stärker als das Debüt von 2009 widmet sich "Unreleased?“ mit Tausendsassa Jim O’Rourke als Gastmusiker frei improvisierten Psychedelia- und Tranceexkursen. Andreas Weerlin trommelt rollende, Krautrock-infizierte Patterns und steuert so die geduldig vorangetriebenen Verdichtungsprozesse, an deren Höhepunkten tatsächlich infernalische Gänsehaut-Lärm-Wogen aus den Lautsprechern branden. Genau so geht’s!


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