Stadtrand

Das Praterstern-Klo und die Ewigkeit

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

In der U-Bahn-Station Praterstern entsteht ein Klo. Wobei "entstehen“ das falsche Wort ist, denn das implizierte ja einen Anfang und ein Ende. Das Praterstern-Klo hingegen vollendet sich seit Jahren in seiner Unvollendetheit. Es steht da, einfach so, kein Arbeiter ward hier jemals gesehen. Ein paar Spanplatten, ein bisschen Leim, ein Schild: "Hier errichten die Wiener Linien eine öffentliche Toilettenanlage. Eröffnung: Dezember 2010.“ Nun würde die Angabe dieses Fertigstellungstermins unter normalen Umständen die Aura zeitloser Harmonie stören, die die Klo-Baustelle am Praterstern ausstrahlt. Gewiefte Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe haben daher prompt die letzte Ziffer der Jahreszahl handschriftlich übermalt: "Eröffnung: Dezember 2011“, steht jetzt leicht improvisiert da. Doch der Schaden, den die Nennung eines Termins angerichtet hat, lässt sich leider nicht mehr ganz ausradieren: "2017“ hat ein frecher Passant mit Kugelschreiber dazugekritzelt. Ein anderer schrieb sogar: "Wird nie fertig.“ Natürlich wird das Klo nie fertig. Das ist ja auch der Sinn der Sache.

Joseph Gepp meditiert über Toiletten am Praterstern


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