Jäger des Großstadtdschungels

Stadtleben | Stilkritik: Birgit Wittstock | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

Ausgestopftes Getier ist neuerdings der letzte Schrei

Früher war es der Großvater. Der hatte neben zahllosen Krickerln (Jägersprech für das Geweih des Rehbocks) und Zwölfendern (ausladende Geweihe mit zwölf Sprossen) von kapitalen Hirschen einen aufgeplusterten Auerhahn an die Wand der guten Stube montiert. Der eigentliche Star war aber ein anderer: Bambi, das scheue Rehkitz.

Seine schwarzen Knopfaugen blickten irre in Richtung Esstisch, so, dass einem jeder Bissen im Hals stecken blieb. Das braune Fell mit den weißen Punkten auf dem Rücken war stumpf, ebenso wie Schnauze und Zunge, diese - offenbar aus Knetmasse geformt - hatte das Rosa von Papa Barbapapa. Über die Jahre fraßen die Motten Bambi das linke Ohr zur Gänze ab und machten auch vor dem rechten nicht halt. Sein Körper wies glatzige Stellen auf, weil ihm das Fell von Kinderhand weggestreichelt wurde. Auch für das zur Hand gehörende Kind weniger gut, immerhin wurden Präparate bis vor etwa 25 Jahren noch mit Arsen haltbar


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