Prost!

Bio in Blechdose: über die Dekadenz, Teil II

Lexikon der Getränke. Diese Woche:

Stadtleben | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

Was Herr Mateschitz mit seinem Red Bull vorgelegt hat, das wird man wohl nicht so schnell nachmachen können. Aber alle wollen von diesem großen Kuchen namens Energydrink-Absatzmarkt ein Stück haben. Und da wird nun gebraut und geschmiedet - im Fall von Alpenyod’l vom Besitzer des Holderhofs Christof Schenk, der im schweizerischen Niederwil sein Energy-Unwesen treibt. Dieser sonst sehr zuverlässig wirkende Familienbetrieb hat sich auf die Produktion von flüssigen Bioholunderprodukten spezialisiert - und, damit es auch ganz energetisch aufgeladen ist, seinen Alpenyod’l in Blechdosen abgefüllt! Es ist ein Jammer, bio nun auch in Blechdosen zu vermarkten. Bio in der Einweg-Glasflasche ist auch so ein Nepp. Egozentrischer geht’s wohl nicht mehr, das ist so ähnlich wie Bioäpfel aus Chile. Da werden zwei Ideologien zusammengestemmt, die grundverschieden sind. Es soll hier aber nun nicht einer für alle gerichtet werden.

Aludosen sind ein essenzieller Bestandteil der Verpackungsindustrie. Aber mit dem Attribut bio wird ein Touch von Natürlichkeit suggeriert, die dem Konsumenten vorgaukelt, etwas Gutes - wohlgemerkt für sich - zu tun, auch wenn das Aussehen der Verpackung fast ironisch zu interpretieren ist. Wie schmeckt dieses Getränk eigentlich? Es ist vom Almdudler kaum zu unterscheiden, vielleicht weniger süß, für einen Bio-Energydrink wiederum zu süß. Guarana ist drin, ein Potpourri aus Holunderblüte, verschiedenen Minzen und Zitronenmelisse. Okay. ms


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige