Selbstversuch

Ich schicke einfach eine Protestnote

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

Scheiße, gar nicht gut. Ich wollte eben mit dem Fisolenspitzeln anfangen. (Fisolen: Das Eins-A-Anfängergemüse, Stangenfisolen vor allem, ist unbedingt und allerwärmstens zu empfehlen, idiot-gardening-technisch. Steckt man im Frühling - bei übergehendem Mond! Unbedingt bei übergehendem Mond! Sonst wickeln sie sich nicht hoch, sagt Mutter - in die Erde, und im Sommer pflückt man täglich zwei Kilo von den Stangen, zum Teil auf der Leiter. Sind auch ein schöner Sichtschutz, wenn man Nachbarn mit fragwürdigen architektonischen Vorstellungen hat.) Ich denke nicht, dass ich das schaffe, diesmal nicht. Ich muss jetzt Fisolen spitzeln, abwaschen, aufräumen, Wäsche abnehmen, Wäsche aufhängen, Tische herumrücken, Mangold ernten. (Mangold: auch sehr gut. Wächst wie Unkraut und ist, in der fünffärbigen Variante, vielleicht das attraktivste Gemüse überhaupt, das perfekte Color-Blocking-Gemüse, rot, pink, orange, gelb und weiß, und mit bisschen Knoblauch in Olivenöl gebraten durchaus genießbar.)

Duschen, Haarewaschen, Erwerbsschreiben, Ribiselkuchen backen, was halt so anfällt, wenn man am Abend acht Leute zu Gast hat. Tisch decken, umziehen, ein paar Jahre aus dem Gesicht malen und jeden Hinweis darauf, dass man einen fucking anstrengenden Tag hatte. Der akut nicht besser wird durch den Umstand, dass man irrtümlich in die Mailbox geschaut und darin eine Mail der Falter-Verbindungsoffizierin gefunden hat, die in Versalien anfragt, wo denn die Kolumne bleibe, das Layout werde bereits nervös. Welche Kolumne, was, wieso, ist doch erst Freitag. Ja, aber Freitag ist diesmal Montag, weil Feiertag und alles, ich habe doch das Mail gekriegt. Welches... ah. Hm. Ja, stimmt, habe ich, aber ich habe es großzügig ignoriert, weil Freitag kann ich nicht, Freitag habe ich acht Leute zum Essen, da habe ich anderes zu tun, das wird diesmal nichts mit der Kolumne, tut mir mächtig leid.

Ich werde einfach so tun, als hätte ich das Mail nicht bekommen, allgemeiner WWW-Zusammenbruch in Niederösterreich, was weiß ich. Erscheint die Kolumne halt einmal in zehn Jahren nicht. Ich könnte es als Protest tarnen, weil ich immer noch dieses geschissene Kolumnenbild ertragen muss, trotz Bittens und Bettelns und obwohl meine Haare mittlerweile einen Meter länger sind und meine Nase operiert ist, während andere in der Redaktion sich nur einen Schnurrbart wachsen zu lassen brauchen und gleich neu gezeichnet werden. Das mit der Nase stimmt nicht, trotzdem, ich schick denen einfach eine Protestnote, dass ich mich wegen fortgesetzten Nichternstgenommenwerdens gezwungen sehe, diese Kolumne für einmal zu bestreiken, die müssen sie dann ja einhängen, in 18-Punkt-Schrift. Ich werde das Telegramm an den Falter schicken, ich habe ja offiziell kein Web. Wie schickt man gleich nochmal ein Telegramm? Das wird auch nichts. Na, wurscht, bleibt’s diesmal halt leer.


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