Menschen

Abgetanzt!

Falters Zoo | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

Mann des Jahres bei Impulstanz war eindeutig der Wiener Starkünstler Franz West. Nicht nur, dass er zu den fleißigsten Festivalbesuchern zählte und seine "Passstücke“ in zwei Performances des wilden Bulgaren Ivo Dimchev eine wichtige Rolle spielten. West war auch daran beteiligt, dass Impulstanz mit einem Grande Finale zu Ende ging. Und das kam so: Der Künstler war von der New Yorker Performance "(M)imosa“ so begeistert gewesen, dass er sie noch einmal sehen wollte. Sein durch eine Geldspende untermauerter Wunsch wurde von Impulstanz-Intendant Karl Regensburger erhört, die hinreißende Drag-Show von und mit Trajal Harrell, Cecilia Bengolea, François Chaignaud und Marlene Freitas wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag in einer Very-Late-Night-Vorstellung nochmals gezeigt. Das Burgtheater-Kasino war voll, die Stimmung magisch, Franz West saß selig lächelnd in der ersten Reihe, und als die allerletzte Impulstanz-Performance dieses Jahres zu Ende ging, war’s drei Uhr in der Früh. Der würdige Schlussakkord für ein Festival, das der sommerlich verschlafenen Stadt wieder fünf Wochen lang Beine machte. Wir werden Impulstanz vermissen. Und freuen uns ab sofort auf den nächsten Sommer.

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Was von vergangener Woche noch nachgetragen werden muss: Der Besuch bei Albert + Tina: Die Schlange reichte bis weit in die Prunkräume hinein. Junges und halbjunges elegant gekleidetes Volk wartete auf Einlass. Und wartete lang. Denn das Einlassprinzip war: einer hinaus, einer herein.

Wie sich herausstellte, hatte die Albertina-Leitung die Einladung zu dem Event (künftig und bis zum ersten September jeden Mittwoch) an ihre Newsletter-Abonnenten versandt. Daraus ergab sich die recht eigenwillige Besuchermischung aus der etwas gehobeneren Albertina-Klientel und den Facebook-Freunden des Musikmagazins The Gap, die das Event mitorganisierten. DJ Slick legte verspielten House und Techno auf. Die Musik war laut, die Masse schien begeistert. Zu späterer Stunde gab es Trzesniewski-Brötchen, von denen nur jene etwas abbekamen, die besonders schnell waren - sie waren nämlich gratis. Hinunterspülen konnte man sie ausschließlich mit Sekt, Corona oder Mineralwasser - zu goldenen Preisen. Besonders oho: Die Musik wird teilweise auch in die Ausstellungsräume der Albertina Contemporary übertragen: Kunstschauen mit Techno.

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Niemand trägt Hornbrille, Cordhose und Herrenschuhe mit Absatz mit so viel Sexiness wie Jarvis Cocker. Überzeugen konnte man sich davon am ungarischen Sziget-Festival, wo eine - für Pulp-Fans historische - Reunion stattgefunden hat: Nach sage und schreibe 15 Jahren ist Jarvis Cocker gemeinsam mit seinen alten Bandkollegen wieder auf Tour. Nach einem fulminanten Auftaktkonzert beim spanischen Primvera-Festival im Frühjahr dieses Jahres führte die Reise der Britpopikonen der 90er-Jahre auch nach Budapest. Eröffnet wurde das Konzert mit den Takten von "Do you remember the first time“, der Vorhang fiel, und im Hintergrund flackerten riesige Neonlettern auf. Keine Frage, Pulp war wieder da! Nun gab es für das Publikum kein Halten mehr. Tausende Hände schossen in die Höhe und klatschten, was das Zeug hielt. Wie von der Tarantel gestochen hüpfte der 47-jährige Jarvis über die riesige Bühne, stieg auf die Boxen, schwang dezent lässig die Hüften und ließ das Mikro kreisen. Spätestens beim Hit "Disco 2000“ tanzte das begeisterte Publikum, und Jarvis grinste sich eins. redaktion

Achtung!

Schach/Rätsel finden Sie ab sofort in der Falter:Woche auf Seite 38

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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