Film Neu im Kino

Liberale lernen Liebe: "Crazy, Stupid, Love.“

Woche | aus FALTER 33/11 vom 17.08.2011

Der Filius nervt die Babysitterin mit Liebesschwüren, während sie für seinen Vater schwärmt. Der trennt sich verbittert von Frau und Familie, bloß weil Mum mit einem Kollegen im Bett war. Die gibt dessen Avancen nur halb nach, denn sie liebt Dad immer noch. Doch Dad wird derweil wieder ein richtiger Mann, unter der Ägide eines jungen Womanizers. Der wiederum lernt, was Hingabe ist, verliebt in eine Jusstudentin, deren Leben bisher, wie ihre beste Freundin urteilt, zu jugendfrei war.

Family guy erduldet Personality-Makeover und Anbraterberatung: Steve Carell spielt eine ähnliche Rolle wie in "40 Year Old Virgin“. Anders als diese und andere Komödien Marke Judd Apatow ist "Crazy, Stupid, Love.“ mehr zartbitter als nerdig, aber das ethische Projekt ist dasselbe: das Durchspielen einer liberalen Form von family values. In pfiffiger Montage und Indiepop-Untermalung kehrt alles zu den Freuden stabiler Häuslichkeit zurück. Man könnte an den Vorjahres-Lesbenfamilienfeelgoodfilm "The Kids Are Alright“ denken, doch gehört das Ende von "CSL“ mit seinen Belehrungsmonologen ganz den Boys, die sich und einander finden. Und zwar voll gut finden - ohne dass (wie im Vorgängerfilm des Regieduos Glenn Ficarra/John Requa, "I Love You, Philipp Morris“) Schwulsein als Option konkret würde. US-Comedys waren schon weiter in Sachen Anerkennung postkonventioneller oder amoralischer Lifestyles. Aber es ist schön, dass "CSL“ Marisa Tomeis Promiskuität und Ryan Goslings Traumbody ("It’s like you’re fotoshopped!“) vorführt, ohne sie als Exemplare eines falschen Lebens abzuurteilen. Und wenn hier ein Beau in Zeitlupe Schlabberpizza isst oder Carell seine Unterlippe kaut, dann ist diese stark besetzte Ensemble-RomCom nicht nur rührend und lustig, sondern echt gut. DR

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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