Vernissage

Träume im Duett: Leipziger Malerpaar bei Essl

Lexikon | aus FALTER 34/11 vom 24.08.2011

Seit der Jahrtausendwende hat der Leipziger Maler Neo Rauch eine steile internationale Karriere hingelegt. Sein surrealer Motivmix mit Versatzstücken sozialistischer Arbeitswelt, deutscher Romantik und comichaften Sujets stieß nicht nur bei amerikanischen Sammlern auf große Nachfrage. Im Vorjahr feierte der Starkünstler mit mehreren Ausstellungen seinen 50. Geburtstag. Nun begeht er in Klosterneuburg die erste gemeinsame Schau mit seiner Frau, der Malerin Rosa Loy.

Rund 80 Gemälde aus den letzten 20 Jahren - viele davon bereits im Besitz der Sammlung Essl - werden in der "Hinter den Gärten“ betitelten Ausstellung gezeigt. Das Künstlerpaar lernte sich noch vor der Wende an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst kennen. Ihr gegenständlicher Stil wird oft mit künstlerischen Vorläufern in der DDR-Malereigeschichte in Verbindung gebracht. Während sich Neo Rauch von einem grafischen Flächenstil in gedeckten Tönen hin zu immer farbenprächtigeren, bedeutungsschwangeren Szenarios entwickelt hat, malt Rosa Loy seit Beginn in der alten Malereitechnik Kasein.

Rauchs Gemälde bevölkern Arbeiter, Jäger, Uniformierte oder Herren in antiquierten Monturen, und auch immer wieder skurrile Künstlerfiguren. Loy hat sich hingegen auf einen rein weiblichen Kosmos verlegt, dessen Protagonistinnen in ihrem Tun aber nicht weniger rätselhaft bleiben. Nicht zuletzt die raffiniert verschachtelten Räume und Perspektiven verleihen den Bildwelten von Neo Rauch eine traumgleiche Qualität. Dabei verewigt sich der Künstler nicht selten auch selbst. Seine Kunst, die zunächst so ernst erscheint, verrät bei längerem Betrachten feinen Humor. NS

Essl Museum, Do 19.30; bis 16.11.


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