Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 34/11 vom 24.08.2011

Während rechts von ihr der Drucker presslufthämmert und linker Hand gerade jemand hinunterspült, saugt Barbara Schellner in der verrauchten Küche stehend an ihrer Marlboro und liest News. Das Bild erinnert an die Lotto-Werbung, allerdings vor dem Hauptgewinn.

Außerdem räumt es mit einer Legende auf, eigentlich mit mehreren: Erstens, dass Toiletten und Küchen aneinandergrenzen, ist keine gute Idee. Zweitens, für Minolta und Drucker gilt Ähnliches, diese Mischung passt einfach nicht zusammen. Und drittens, im Falter herrscht kein medienethischer Zölibat. Anders gesagt: Auch wenn wir uns selbst nach außen hin ein Triple-A-Medienethik-Rating geben, wie Matthias Dusini jüngst anmerkte, lesen wir privat fast jeden Mist. Der Welt-im-Zitat-Beauftragte Wolfgang Kralicek und die Pressebeschauerin Nina Horaczek etwa lesen die Info-Illustrierten und Entenblätter dieser Welt wohl nicht nur aus Arbeitseifer.

Wir wollen auch nicht verhehlen, dass vor der Küchenrenovierung ein Britney-Spears-Poster auf dem Herrenklo hing, dass der vielleicht talentierteste Erfinder vulgärer Wortwitze sein Auslangen in der Falter-Grafik gefunden hat und dass Dusini Mitautor eines demnächst erscheinenden Suhrkamp-Bandes über Political Correctness ist, in dem er das Rating selbiger hinterfragen dürfte.

Und, ach ja, "Neger“ hat hier auch schon einmal jemand gesagt. Er trug einen Blaumann, zimmerte an der halbfertigen Küche und sagte es mit solch einer Selbstverständlichkeit, dass die Anwesenden ihn gleich verloren gaben und weiter im Küchen-News blätterten.


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