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Bücher, kurz besprochen

Politik | Armin Thurnher | aus FALTER 34/11 vom 24.08.2011

Agrarpolitik ist Weltpolitik

Alle Politik ist auf Ernährung gegründet; in unseren gesättigten Regionen merkt man das nur nicht mehr. Bei uns streitet man sich höchstens über die Art der Subvention für unsere Landwirtschaft. Woanders aber hungern Millionen, mittlerweile auch in Ländern, die selbst Entwicklungshilfe nicht nur empfangen, sondern auch leisten, wie Indien.

Das kleine Buch "Ernährungssouveränität“ schildert instruktiv die Geschichte der GAP, der gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Es zeigt, wie die EU und die USA zugunsten der Lebensmittelkonzerne und des Großhandels, aber auf Kosten der kleinen Bauern und vor allem der Dritten Welt agieren. Echte Liberalisierung gibt es im Agrarsektor kaum. Der Import billiger Futtermittel aus den USA wäre nicht nötig, nützt aber der Fleischindustrie und schädigt durch den so entstehenden Getreideüberschuss, der exportiert wird, die Entwicklungsländer.

Das Buch, geschrieben von Sympathisanten und Mitgliedern von Attac und von Via Campesina, der oppositionellen europäischen Bauernvereinigung, hilft, diese komplexen Entwicklungen zu verstehen. Es zeigt auch Lösungen. Ernährungssouveränität ist eine solche: Staaten sollen ihre Ernährungspolitik selbst bestimmen können und mit dieser Politik die Interessen anderer Staaten nicht beschädigen dürfen. Das bedeutet Maßnahmen gegen Lebensmittelspekulation, aber auch gegen Direktsubventionen, die zu Dumpingpreisen bei Lebensmitteln führen.

Gérard Choplin, Alexandra Strickner, Aurélie Trouvé (Hg.): Ernährungssouveränität. Mandelbaum Verlag, 128 S., € 9,90


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