Mediaforschung  

Was hat eine Riesenwalnuss in Lettland zu suchen, Herr Heffels?

Nachfragekolumne

Medien | Sebastian Huber | aus FALTER 34/11 vom 24.08.2011

Mit den Händen in den Hosentaschen stürmen Dorfbewohner auf eine gigantische Walnuss zu. Sie haben verlernt, ihre Hände zu benutzen, wissen sich nicht gegen den Störenfried zu helfen. Nach der Reihe prallen sie mit ihren Schädeln gegen die Schale - erfolglos.

Es dauert, bis die Walnuss aufbricht. Sie ist gefüllt mit Werkzeug und Baumaterial. Ein Mann zieht vorsichtig seine beiden Hände aus den Taschen, ergreift einen Hammer und streckt ihn brüllend in die Luft. Die anderen Dorfbewohner tun es ihm gleich und tragen die neuen Arbeitsgeräte nach Hause. Das triste Dorf erwacht, wird renoviert, bemalt und verschönert. "Jede Veränderung braucht einen Anfang.“ Die Berliner Agentur Heimat hat die europaweite Baumarktkampagne wieder eigenwillig gestaltet. Wie ist es zu dieser Werbelinie gekommen, die mittlerweile Kultstatus genießt?

"Unser Ziel war es vor zehn Jahren, für Hornbach ein unverwechselbares Markenbild zu kreieren“, sagt Guido Heffels, kreativer Leiter der Kampagne. Für einen Baumarkt war es eine ungewöhnliche Entscheidung, skurrilen Elementen in seiner Werbung so viel Platz zu geben. Im aktuellen Spot bemalt ein Mann sein Schwein blau, eine Frau freut sich über ihre wiederentdeckten Hände: "Viel besser als Füße!“ Unkonventionelle Werbung, die unterhält. Neu ist das zwar nicht, erfrischend mutig trotzdem. Gleichzeitig ist es der Agentur wichtig, bei jedem neuen Auftrag von Hornbach hart am Markenkern zu bleiben: "Es gibt immer was zu tun.“ Der Hornbach-Jingle am Ende des Spots wirkt jedoch weiterhin wie ein Fremdkörper.

Gedreht wurde fünf Tage lang im lettischen Dorf Kandava. Insgesamt spielen etwa 100 Menschen mit - fast alle sind echte Dorfbewohner.


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