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Pressekolumne

Medien | Nina Horaczek | aus FALTER 34/11 vom 24.08.2011

Manche überraschen einen doch immer wieder. Österreich zum Beispiel. Da denkt man, es gibt keine Steigerungsformen, das Fellner-Blatt hat alle Grenzen des Journalismus so weit verschoben, dass einfach alles überschritten wurde. Aber ein bisschen was geht immer noch. Am Wochenende köpfelte ein Familienvater im Krapfenwaldlbad ins Becken und schlug derart stark auf dem Poolboden auf, dass er ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt.

Während der Notarzt den Mann am Beckenrand intubiert und reanimiert, reckt sich ein Austro-Paparazzo ganz besonders lang, um über die Köpfe der gaffenden Menge hinweg ein Bild von dem Verunglückten samt Tubus im Mund und Elektroden am Körper zu knipsen. Einen so spektakulären Schnappschuss hat man nicht alle Tage. Also druckt Österreich das Bild gleich zwei Mal ab. Das Recht auf Privatsphäre gibt es für Österreich also nicht einmal, wenn man als Normalbürger mit einem Schlauch im Mund am Beckenrand liegt und zwischen Leben und Tod schwebt.


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