Die Hietzinger Werkbundsiedlung wird endlich saniert. Museum der Moderne wird keines daraus

Feuilleton | aus FALTER 34/11 vom 24.08.2011

Bericht: Matthias Dusini

Nach jahrelangem Bangen war es letzten Donnerstag so weit: In der Hietzinger Werkbundsiedlung begannen die Bauarbeiten zur Sanierung dieses Manifests moderner Architektur der 1930er-Jahre. Unter der Leitung von Josef Frank kamen 1930 die Protagonisten des Neuen Bauens zusammen, um mustergültige Typen eines sparsamen und funktionalen Wohnens zu realisieren.

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) gab nun bekannt, dass die 48 in Gemeindebesitz befindlichen Häuser in den kommenden Jahren revitalisiert werden. Zuerst sind die vier Häuser des holländischen Architekten Gerrit Rietveld in der Woinovichgasse an der Reihe. Fenster, Dächer, Fassaden, Terrassen und Sanitärräume werden neu gemacht.

1,3 Millionen Euro kostet dieser erste Schritt. Die Stadt Wien schießt Fördermittel zu, da die Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles nicht durch Mietzinsrücklagen gedeckt ist. Die hohen Gesamtkosten von zehn Millionen Euro werden damit begründet, dass jede Sanierung maßgeschneidert ist. Für die Abwicklung des Vorhabens wurde eine Gesellschaft mit den Namen Wiener Substanzerhaltungsgesellschaft (Wiseg) gegründet. Das Wiener Architekturbüro P.Good ist mit der Planung beauftragt.

Einigen Denkmalschützern gehen die Maßnahmen nicht weit genug. Die sich für die Erhaltung moderner Architektur engagierende Arbeitsgruppe Docomomo fordert die Einrichtung eines Museums in den beiden derzeit leerstehenden Rietveld-Häusern. Hier könnten die Entstehungsgeschichte der weltberühmten Anlage dokumentiert werden und Originalmöbel den Musterhauscharakter von 1932 widerspiegeln. Stadtrat Ludwig hält nichts von einem Museum, da die Häuser für einen musealen Zweck baulich zu stark verändert werden müssten. Er will stattdessen eine begehbare, aus Tafeln bestehende Open-Air-Ausstellung.


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