Buch der Stunde

Eine Bibelstunde mit biblisch langem Bart

Feuilleton | Julia Zarbach | aus FALTER 34/11 vom 24.08.2011

Als Meister der Provokation wird Literaturnobelpreisträger José Saramago (1922-2010) vielen in Erinnerung bleiben. Mit seinem letzten Roman "Kain“ ist es ihm zwar nicht gelungen, internationale Empörung auszulösen, aber zumindest konnte er in seiner erzkatholischen Heimat einen Skandal heraufbeschwören. "Kain“ ist eine sarkastische Abrechnung mit dem Christentum und mit dessen scheinheiliger Philosophie, deren Übel für den Autor schon in ihrer Wurzel steckt - also in der Heiligen Schrift.

Saramago erzählt die Geschichte Kains, der mittels Zeitreisen an die prominentesten Stellen des Alten Testaments befördert wird. Je weiter er in der Historie voranschreitet, desto aufmüpfiger wird der Brudermörder gegen den ungerechten und skrupellosen Gott: "Kain ist der, der geboren wurde, das Unsägliche zu sehen, Kain ist der, der Gott hasst.“ Schließlich war es der Allmächtige selbst, der Abraham ("ein ebenso abgefeimter Hurensohn wie der Herr“) befahl, seinen eigenen Sohn Isaak


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