Selbstversuch

Der Lange findet, Himbeersaft tut’s auch

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 34/11 vom 24.08.2011

Schon wächst das Gras langsamer, schon müssen wir uns nicht mehr mit der Machete zur Hängematte durchschlagen, schon gibt es nicht mehr jeden Tag Fisolen und Zucchini, schon faulen uns die monatelang gehätschelten Paradeiser von den Stängeln, sodass man das ganze schöne Bio-Graffel einfach in den Müll werfen kann und tschüss. Die Fauna lockert ihren eisernen Sommergriff. Es ist heiß wie nie, aber es herbstelt schon, die Stadt und das Leben darin wachsen uns schon in die Sommergegenwart hinein, frühes Aufstehen, langes Ausgehen, wieder vollständige Hosen und Kleider tragen, wieder acht Zentimeter größer sein. Dafür jetzt Fauna galore.

Die Nachbarn fuhren in den Urlaub und erklärten ihre Katzen zu Selbstversorgern, und schau, das funktioniert. Eine der Katzen fand heraus, dass es bei uns Futter gibt, und erzählte es ihren acht Verwandten weiter. Das erzeugt überraschende Effekte, wenn der Lange brüllt, dass er ab sofort keine degenerierten Schrott-Katzen mehr füttert, aussi, es deppaten Viecha!, und wenn er glaubt, keiner schaut hin, sitzt er irgendwo und krault heimlich eine Babykatze. So einer ist das nämlich. Also, wenn er nicht gerade Feldzüge gegen Wespen führt, wo ich sage, kauf einen Spray und richte ihn abends, wenn die Wespen schlafen, auf das Wespennest, das funktioniert. Das ist aber nichts für den Langen. Der Lange hat auf die Wespen, die ihm die Freude am aushäusigen Essen verderben, einen Zorn, und zwar einen alttestamentarischen. Er will sie richten, in immer neuen, transparenten Wespenfallen, die die Wespen überhaupt erst an den Tisch locken, damit man ihnen dann beim Sterben zusehen kann. Der Horwath hat auch so eine. Nur Männer kaufen den Scheiß.

Während der Lange draußen seine Ländereien verteidigt und Exempel statuiert, esse ich mit den Mimis und dem Gastkind, das vorletzte Woche woanders in ein Wespennest stieg und 27 Mal gestochen wurde, jetzt drinnen, bei geschlossenen Fenstern. Vor allem, weil der Lange im Baumarkt zwar jede schiache Wespenfalle kauft, aber immer bei den dazugehörigen Spezial-Flüssigkeiten spart, weil er findet, Himbeersaft und Bier tun’s auch. Die Wespen finden das gut, sie erzählen es allen ihren Freunden weiter, und alle kommen gemeinsam in großen Schwärmen an unseren Tisch und saufen den Himbeersaft und das Bier aus den Wespenfallen und bleiben dann noch ein bisschen am Tisch und warten, was es zur Hauptspeise gibt. Der Lange behauptet, die Katzen, die deppaten Viecha, hätten seine Superfalle umgeschmissen und damit ihren Effekt ruiniert, aber das ist gar nicht wahr. Ich bin froh, dass sein Hauptfeind, der Maulwurf, eben wieder aufgetaucht ist, trotz perfidester und ausgeklügeltster Maulwurfsabwehrsysteme. Das lenkt den Langen von den Wespen ab. Ich werde die Fallen verschwinden lassen, die Katzen werden es gewesen sein.


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