Neu im Kino

3 Degen in 3D: Musketiere mit Milla, Mads und Waltz

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 35/11 vom 31.08.2011

Eine der letzten Kinofassungen des Stoffes half 1993 mit, Wien zu jener Filmproduktionsweltstadt zu machen, die sie heute ist. Die aktuelle transeuropäische Version von "Die drei Musketiere“ entstand indes nicht vor der Hofburg, sondern in Berlins Babelsberg-Studios und Bayerns Schlössern. Der tourismuswerbliche Wert der resultierenden Prachtpanoramen ist enorm, und manchmal sieht Bayern in 3D gut aus. Außerdem gibt’s zwischen Babels- und Bamberg eine Kopie von Versailles und Verliese und Venedig im Nachbau, Letzteres gut in Sachen Da Vinci, dessen Code und Konzept eines Geheimluftschiffs. Von dem schweben alsbald zwei im Kampf, mit Breitseite, Entern, Galionsfigur und Augenklappenkapitän. Denn vier Karibikflüche reichen nicht, da müssen drei bis vier königstreue Pariser Landpiraten hinzu. Die fechten ja auch (oft in dieser seit "300“ üblichen Stotterzeitlupe, im Notre-Dame-Showdown auch imposant), bilden Freakteams und rufen am Ende ihren berühmten Wahlspruch "Fortsetzung bei Erfolg!“.

Um nicht zu lästern (oder Richard Lesters lässige Slapstickmusketiere von 1973 zu erwähnen), sei gesagt: Verlies und Schatzdiebstahlplot, das gibt Milla Jovovich als maliziöse Milady Gelegenheit zum Turnen in sensorischen Fallen, wie sie und Regiegemahl Paul W. S. Anderson das in "Resident Evil“ so prägnant zelebriert haben. Engagiert und trainiert wie sie ist, wäre Jovovich eine kesse Schurkin; doch sie wird, so wie das schräge Potenzial von Mads Mikkelsen und Orlando Bloom in seiner ersten Altersrolle (mit Wams und Tolle), verschenkt, an einen biederen, schlampig montierten, in den Heldenparts schwächelnden Film. Und Christoph Waltz als Kardinal Richelieu schafft den Hattrick: Zum dritten Mal seit Tarantino unter seinem Wert eingesetzt - vielleicht sollte er wieder in einem "Tatort“ spielen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Burg und Artis)


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