Neu im Kino

Melancholie rules okay: "Naokos Lächeln“

Lexikon | aus FALTER 35/11 vom 31.08.2011

Sagen wir nicht langweilig, sagen wir lieber "keusch“. So hat Tran Anh Hung, in Paris lebender Filmemacher aus Vietnam, der vor Jahren den "Duft der grünen Papaya“ im Kino verströmte, jetzt den wegen seiner expliziten Sexualität viel diskutierten Roman "Naokos Lächeln“ von Haruki Murakami verfilmt. Einzig den Liebesgeschichten gilt das Interesse des Films, alles andere, inklusive Studentenunruhen im Tokio der späten 1960er-Jahre, bleibt Kulisse. Doch selbst in den Close-ups des jungen Watanabe mit Naoko (der Schwermütigen), Midori (der Koketten) oder Reiko (der Musiklehrerin) wird nicht Leidenschaft spürbar, sondern unüberwindbare emotionale Distanz. "I once had a girl“, heißt es bei den Beatles in "Norwegian Wood“, nach dem Buch und Film im Original benannt sind, "or should I say, she once had me“. Ein melancholisches Epos tiefgekühlter Gefühle. MO

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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