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Falter & Meinung | Stefan Apfl
 | aus FALTER 35/11 vom 31.08.2011

Der Grund, warum der Platz von Reinhard Hackl, von dem aus der Grafiker uns üblicherweise so lange mit Witzen malträtiert, bis nur noch Lachen oder Klagsdrohungen helfen, am Donnerstag verwaist war, heißt Karolina. Das ist an sich keine Neuigkeit, bloß dürfte es diesmal länger halten, denn die Dame ist 2700 Gramm schwer und 48 Zentimeter groß.

Väter kann man sich noch weniger aussuchen wie Arbeitskollegen. In beiden Rollen zählt Hackl zur seltenen Gattung: Glückstreffer. Und gerade als wir uns mit derlei pathetischen Sprüchen lächerlich zu machen drohten, betrat der nächste Genosse selbiger Gattung die rauchfreien Hallen des Layouts: Dirk Merbach.

Das ist jener Herr, der uns das prometheische Feuer brachte, das man in seiner Welt einen "Relaunch“ nennt. Es ist die Welt der Zeitungsdesigner, deren Anführer in hohen Häusern an Spree und Alster sitzen, wo sie in wohlklingenden Worten wie "Weißraum“, "Brotschrift“ und "Lösungen“ miteinander kommunizieren, und zu denen eben auch Merbach zählt.

Aber er lebt nicht mehr in Berlin, sagt er, er lebt nun in einer Air Berlin. Die landet alle zwei Wochen in Schwechat, samt Merbach und seinem in Form eines Rollkoffers mitgeführten Leben. In Amerika würde man ihn wohl einen "Art Director at Large“ nennen, was so viel heißt wie "Obergrafiker auf freiem Fuß“. Wir rufen ihn wahlweise "Dirk“ oder "Harrison Ford der Ostdeutschen“, je nachdem, was wir von ihm brauchen. Und wann immer Ford da ist, wacht das Foto seiner Tochter über ihn. So wie nun endlich auch jemand über Hackl wachen wird.


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