Kommentar

Young Directors Project: Schiri Brandauer pfeift drauf

Salzburger Festspiele

Falter & Meinung | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 35/11 vom 31.08.2011

Das Young Directors Project (YDP) der Salzburger Festspiele feierte heuer seinen zehnten Geburtstag. Bei der von der Nobelmarke Montblanc finanzierten Reihe werden neue Theaterformen präsentiert; eine prominent besetzte Jury vergibt überdies einen recht großzügig dotierten Preis (siehe auch Seite 32).

Das YDP hat sich in Salzburg längst etabliert, und der Jubiläumsjahrgang war der bisher beste: Noch nie war die Auswahl so konsequent programmiert, noch nie war die Qualität so dicht. Vier der fünf gezeigten Produktionen waren interaktive Performances, bei denen Besucher mehr oder weniger zu Akteuren wurden: "Mitspieltheater“ auf höchstem Niveau.

Trotzdem war die Stimmung bei der abschließenden Preisverleihung schlecht wie nie. Ein Redakteur der Salzburger Nachrichten deckte coram publico auf, dass zwei Juroren - Klaus Maria Brandauer und Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler - die Aufführung "Das ehemalige Haus“ (eine harte, aber auch erstklassige Produktion) vorzeitig verlassen hatten; an der Installation "A Game of You“ hatte Brandauer gar nicht erst teilgenommen (auch da hat er was versäumt).

"Das Verlassen einer Produktion ist auch eine Art der Bewertung“, versuchte Schauspielchef Thomas Oberender das peinliche Verhalten seiner Juroren zu rechtfertigen. Aber das kann nicht sein Ernst gewesen sein. Ein Schiedsrichter kann auch nicht einfach nach Hause gehen, wenn ihm das Match nicht gefällt. Und niemand hat Brandauer oder Rabl-Stadler gezwungen, in die Jury zu gehen. Beim YDP gab es in diesem Jahr viele Künstler, die sich als Sieger fühlen durften. Und zwei Verlierer, die sich für die nächsten zehn Jahre als YDP-Juroren disqualifiziert haben.


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