Am Apparat

Wie kommen Sie in eine Wikileaks-Depesche, Frau Harrer?

Telefonkolumne

Politik | Interview: W. Zwander | aus FALTER 35/11 vom 31.08.2011

Wikileaks hat wieder zugeschlagen. Ohne Gründe dafür zu nennen, veröffentlichte die Whistleblower-Plattform am vergangenen Donnerstag 100.000 neue US-Depeschen. In einer aus dem Jahr 2005 steht, Gudrun Harrer, eine der renommiertesten Außenpolitikjournalisten Österreichs, sei seit 2004 - also zwei Jahre ehe sie als Sondergesandte in den Irak ging - eine "Beraterin“ der damaligen ÖVP-Außenministerin Ursula Plassnik gewesen und hätte in "engem Kontakt“ mit der US-Botschaft gestanden.

Frau Harrer, hat es Sie überrascht, dass sich auch Ihr Name in den Wikileaks-Depeschen gefunden hat?

Überhaupt nicht. Es ist ja wohl klar, dass das österreichische Außenministerium die US-Botschaft von meiner Ernennung zur Sondergesandten des österreichischen EU-Vorsitzes im Irak informiert hat, und ebenso, dass die US-Botschaft einen Bericht darüber nach Washington geschickt hat.

In der Depesche steht, dass Sie bereits 2004, als Sie noch nicht offiziell für das Außenministerium tätig waren, Plassnik beraten hätten. Was sagen Sie dazu?

Das stimmt nicht. Ich habe sie erst im November 2005 näher kennengelernt, als ich auf einer Islam-Konferenz des Außenministeriums den Irak-Panel moderierte, dessen Zusammenstellung ich auch vorgeschlagen hatte. Veranstalter war die Österreichische Orient-Gesellschaft, bekommen habe ich, glaube ich mich zu erinnern, 400 oder 600 Euro, aber ich kann gerne nachschauen.

In der Depesche ist weiters zu lesen, Sie seien in engem Kontakt zur US-Botschaft in Wien gestanden. Im Standard stand daraufhin, der Kontakt sei "nicht gerade eng“ gewesen. Wie ist das zu verstehen?

Natürlich kennt man als Außenpolitikchefin Leute aus der US-Botschaft, aber ich habe nie intensive Kontakte gepflegt. Einige Diplomaten waren sogar verärgert, dass ich gegenüber dem Irak-Krieg skeptisch eingestellt war.


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