Wieder gelesen

Bücher, entstaubt 


Politik | Rosemarie Pilz | aus FALTER 35/11 vom 31.08.2011

Dantons Leben und Gaddafis Tod

Man muss die Revolutionen feiern, wie sie fallen. Die Umstürze in Nordafrika waren genauso wenig geplant wie die große Französische Revolution. Werden Mubarak und Gaddafi am Ende hängen, so wie Ludwig XVI. sein Haupt durch das Fallbeil der Guillotine verlor? Gelangen die Islamisten an die Macht und werden sie Nordafrika mit "Wohlfahrtsterror“ überziehen? Wessen Kopf aus welchem Grund im Zuge subversiver Unruhen zu Fall gebracht wird, was im revolutionären Sinne durchaus wortwörtlich zu verstehen ist, fragte sich bereits Georg Büchner, als er sich in seinem Stück "Dantons Tod“ der französischen Revolution annahm.

Deren irrationaler Grundkonflikt scheint dieser Tage wie ein Bumerang auf uns zurückzuschnellen. Da gibt es den "Blutmessias“ Robespierre, der Tugend durch Schrecken verbreiten will, und da gibt es Danton, der sich dafür schämen würde, mit der "Moralphysiognomie zwischen Himmel und Erde herumzulaufen“. Und nicht zuletzt ist da ein Volk, das "wie ein Kind alles zerbrechen muss, um zu sehen, was darin steckt“. Aber wo ist der Unterschied, fragt St. Just, Mitglied des Wohlfahrtausschusses, "ob sie nun an einer Seuche oder an einer Revolution sterben?“

Büchner geht scharf und in hohem Maß mit Witz vor, legt Feuer unter die Zungen der Figuren, stellt alarmierende Fragen. Ein Stück, das gerade in unseren Tagen schleunigst wieder auf die Bühne sollte.

Georg Büchner: Dantons Tod. 1835, Reclam, Propyläen, 87 S., € 2,10


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